Zuchthistorie

Unmittelbar nach der Fertigstellung des Gestüts kamen bereits im Februar 1919 die ersten Vollblutstuten aus Graditz und vom Hauptgestüt Beberbeck nach Altefeld. Darunter so klangvolle Namen wie Antwort und Aversion. Danach folgten die Hauptbeschäler DARK-RONALD, HEROLD, ARD PATRICK, und NUAGE. Mit dem Pferdebestand ging auch der staatliche Rennbetrieb, sowie der Rennstall in Berlin-Hoppegarten auf das Hauptgestüt Altefeld über.

Dark Ronald xx Gemälde von Manfred Busemann

Derbysieger Dionys von Herold a.d. Dichterin wurde 1928 in Altefeld gezogen.

Alchimists Vater Herold v. Dark Ronald a.d. Hornisse vor dem Hauptbeschälerstall in Altefeld 1929. Er wird gehalten von Hengstwärter Martin Liehr in der Uniform des Hauptgestüts Altefeld.

Aversion, Mutter von Alchimist, vor dem Hauptstutenstall in Altefeld 1929
Antwort von Ard Patrick a.d. Alveole in Altefeld

Ard Patrick

Der erste Altefelder Jahrgang stellte das überragende Dreigestirn Aditi, Marduck und Grossinquisator, dem viele weitere gute Pferde folgten, darunter die überragende Aditja, Antonia, Valladolid, Sichel, Laotse, der Derbysieger Dionys, Viaduct und Lord Nelson. Unter dem letzten in Altefeld geborenen Jahrgang 1930, der in den staatlichen Rennstall kam, war kein geringerer als der Derbysieger.

In der Zeit als preußisches Hauptgestüt wirkten in Altefeld von 1919 bis 1930 die Landstallmeister Graf Kalnein, Graf Sponeck, Hans Althaus und Hermann Großcurth.

Landstallmeister Kurt Graf Sponeck

Landstallmeister Hans Graf Kalnein
Valladolid siegte 1928 im Falkenhaus-Rennen Aditja gewann 1928 den Preis der Diana Antonia gewann 1929 den Preis der Diana vor der Altefelderin Valladilid
Sichel gewann 1931 den großen Preis von Berlin
Stromschnelle gewann 1930 den Preis der Diana Sichel gewann den Preis der Diana

Nach der Aufgabe von Altefeld 1930, verursacht durch wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Weimarer Regierung, ruhte der Zuchtbetrieb für einige Jahre.

1935 wurde Altefeld Heeresgestüt und unter Hauptmann Leberecht Opitz ein wichtiges Standbein für die staatliche Remontehaltung.

1940 wurde Altefeld dann zum Heeresvollblutgestüt unter der Leitung von Dr. Josef Pulte. Mit einer großen Mutterstutenherde und den bekannten Deckhengsten Mirza II, Antonym, Bubbles, Brantome und Pharis und einem eigenen Rennstall in Berlin-Hoppegarten kam Altefeld schnell wieder zu großem Ansehen und beachtlichen Erfolgen auf den deutschen Rennbahnen.

Rennstall - Hauptgestüt Altefeld - in Hoppegarten 1928

Natürlich war mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Auflösung des Heeres auch das Schicksal des Heeresgestüts Altefeld besiegelt.

Die Gestütsanlage wurde zunächst als Pensionsgestüt verwendet, wo viele Heimatvertriebene Zuflucht fanden. Durch den Verlust der Ostgebiete sowie Aufteilung und Bodenreform waren mehr Vollblutzüchter denn je ohne Grund und Boden. Altefeld beherbergte vorübergehend die aus der Heimat evakuierten Pferde des Gestüts Schlenderhan, wobei der großartige Oleander hier sein Leben beendete. Das Gestüt der Bankiersfamilie Oppenheim züchtete im Gestüt Altefeld das wundervolle Stutenpaar Asterblüte(Derbysiegerin) und Aubergine, die die klassischen Prüfungen ihres Jahrgangs gewannen, und vorher schon Aralia, eine Rennstute überragenden Ranges. Weiterhin baute in Altefeld Adolf Schindling seine Vollblutzucht auf und züchtete hier die Derbysieger Kaliber und Kilometer aus der in Altefeld gezogenen Stute Kirschfliege. Auch das Klassepferd Erlenkind ist der Altefelder Scholle entsprungen und der Derbysieger Birkhahn in dieser Zeit auf Altefeld geboren.

Aditi von Dark Ronald a. d. Aversion, geb. 1922 in Altefeld Birkhahn v. Alchimist a.d. Bramouse wurde 1945 in Altefeld geboren

Arjaman v. Herold a.d. Aditja (1930) gehört zum letzten Altefelder Jahrgang

Während der Zeit als Pensionsgestüt standen in Altefeld die Hengste Wirbelwind, Monitor und Fol Ami.

1962 wurde Altefeld durch die Ansiedlung des Traditionsgestüts Waldfried zu einem neuen Mittelpunkt der Vollblutzucht. Bei der Übernahme von Altefeld konnte Waldfried bereits auf eine große Vergangenheit zurück blicken und so ging zu dieser Zeit der 2000. Sieger in den blauweißen Farben auf einer deutschen Rennbahn durch das Ziel. Bis zu seiner Auflösung 1981 züchtete Frau Alexandra Scherping mit großem Erfolg Rennpferde auf Altefeld, unter anderem den Derbysieger Elviro und den späteren Celler Landbeschäler Agami.

Als 1981 das Gestüt Altefeld von mir erworben wurde, war auf der verwaisten Anlage nahe dem damals noch existierenden „Eisernen Vorhang“ nur noch ein Pferd, der alte und kranke Derbysieger von 1968 ELVIRO. Ich war fasziniert vom Konzept und der Schönheit von Altefeld, das auf einer Hochebene liegt inmitten von herrlichen Laubwäldern. Es war ein ungewöhnliches Experiment, die Pferdezucht genau nach den historischen Vorgaben der preußischen Gestütsverwaltung fortzuführen. Ohne Stress, artgerecht und naturverbunden sollen die Pferde hier aufwachsen und so ist Altefeld nach wie vor ein angesehener Ort deutscher Pferdezucht.

Manfred W. Graf